Soziotherapie //

Hintergrundinformation zur Soziotherapie

Was macht Soziotherapie aus?

Das Charakteristische an Soziotherapie ist die Gegenwartsnähe, es dreht sich um die Bewältigung des Alltags, die zur Gestaltung des Alltags werden soll.
Soziale Prozesse stehen im Vordergrund, in der Einzel- und in der Gruppenarbeit. Die Rollenvielfalt, seine soziale Abhängigkeiten und Beeinflussbarkeiten, die Wechselwirkung mit Umwelt-, Lebens- und Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden stehen an erster Stelle.
Oder: Das komplexe psychische und physische System Mensch steht in Wechselwirkung mit seinen umgebenden sozialen Systemen und wir konzentrieren uns mit Soziotherapie genau auf dieses Geschehen  - mit dem Fokus auf Lösungsmäglichkeiten und Bewältigungsstrategien.

Krankheitssicht und Prämissen

Sucht und insbesondere die chronische Mehrfach-Beeinträchtigung ist das Resultat misslungener Bewältigungsstrategien mit komplexen Entstehungszusammenhängen.
Psychische Störungen sind Störungen in der psychischen und sozialen Funktionalität, die oft nur mit medikamentäser Hilfe in ihrer symptomatischen Ausprägung reduziert werden kännen und mit denen der Einzelne besser umgehen lernen kann.
Wir sehen jeden Menschen als autonom an - d.h. Veränderungen sind letztlich nur aus sich selbst heraus möglich - und als entwicklungsfähig an. Die individuellen Veränderungen können angestoßen und unterstützt werden (die oben erwähnten Systeme Mensch und Umgebung sind dynamisch). Jeder Mensch als solcher verdient Respekt und Wertschätzung, auch in seiner Fehlerhaftigkeit und in seiner Störungssymptomatik.

Konzeption

Das soziotherapeutische Konzept von beiden Bereichen beruht auf den o.g. Prämissen und ist vor allem darauf ausgelegt, die Ressourcen und konstruktiven Fähigkeiten der Bewohner zu re-/aktivieren und zu verstärken.
Dies geschieht mit Hilfe von tagesstrukturierenden Therapieangeboten wie Gruppen- und Einzelgesprächen, Arbeitstherapie und medizinischer Behandlung. Es werden v.a. Themen aus den Bereichen Suchtverhalten, Kommunikation, Konfliktbewältigung, Freizeitstrukturierung, Beziehungsgestaltung, Umgang mit Gefühlen, Genuss, Körperwahrnehmung, zielführendes Handeln und Arbeitsverhalten in die individuellen Therapiepläne aufgenommen. Therapieziele und Verläufe werden mit den einzelnen Bewohnern immer wieder besprochen und den aktuellen Entwicklungenangepasst.
Im Übergangsbereich ist die Konzeption verstärkt auf die Wiedererlangung einer selbstständigen Lebensführung mit möglichst großer Eigenverantwortung ausgerichtet und beinhaltet auch den Aufbau eines suchtspezifischen Hilfesystems für den Bewohner.
Im Langzeitbereich geht es um eine sinnstiftende Alltagsgestaltung innerhalb des stationären Rahmens und dem Aufbau einer stabilen Lebenszufriedenheit.

Methoden

Für die soziotherapeutische Arbeit sind klar strukturierte Rahmenbedingungen für die Bewohner (Wochenplan, Ausgangsregelung, Hausordnung) und für das Team (Organigramm, Kommunikation, Dokumentation) notwendig. Die daraus sich ergebende Sicherheit und die kontinuierliche zu schaffende konstruktive Atmosphäre sind die Voraussetzungen für die soziotherapeutische Arbeit.
Diese hat ihren Fokus in der Ressourcen- und Kompetenzorientierung und in der Gestaltung des Alltags. In den regelmäßigen Gruppen- und Einzelgesprächen mit dem jeweilig zuständigen Gruppenbetreuer finden Anamnese, Diagnostik, Therapieplanung und -zielsetzung und Verlaufskontrolle Eingang.
In der Arbeitstherapie werden von den Arbeitstherapeuten Rückmeldegespräche insbesondere bezüglich relevante Leistungsmerkmale (an `Melba` angelehnt) durchgeführt. Im Übergangsbereich besteht die Möglichkeit bei gegebenem positivem Verlauf, dass Bewohner Praktikas in externen Firmen durchführen und so ihre Belastungsfähigkeit trainieren können.
Im medizinischen Bereich werden Einzelgespräche zu körperlich-medizinischen Themen gefährt. Die Bewohner werden beim Umgang mit Medikamenten und bei hygienischen Fragen unterstützt.

Ziele

Das Ziel für die Bewohner im Übergangsbereich kann durch das Stichwort `zufriedene Abstinenz von Suchtmitteln-, mit der Ergänzung `mit möglichst kurz gestalteten Unterbrechungen´ betitelt werden.
Die Abstinenz bildet die Basis für die Nutzung von den vorhandenen konstruktiven Fähigkeiten zur eigenverantwortlichen Lebensgestaltung. Bedingt durch die Chronizität der Suchterkrankung unserer Bewohner ist diese Abstinenz nicht durchgängig zu erwarten, weshalb der Vorbereitung auf den Umgang mit der eigenen Rückfälligkeit eine wichtige Stellung eingeräumt wird. ?
Die Bewohner des Langzeitbereichs  können bei uns lernen, ihren Alltag unter der Vorgabe der Äußeren Struktur abstinent und möglichst zufrieden zu gestalten. Die körperliche Erholung und Gesundung sind zusammen mit der Stabilisierung der psychischen und emotionalen Befindlichkeit die Schwerpunkte in diesem Bereich.

Strukturen

Die Struktur des Teams wird durch die verschiedenen Arbeitsbereiche (Gruppenbetreuer, Arbeitstherapeuten, Medizinischer Bereich, Hauswirtschaft, Haustechnik, Verwaltung, Leitung) bestimmt. Die Kommunikation im Team findet v.a. in täglichen Übergaben und Teamsitzungen sowie über spezifische Medien statt.
Die Tagesstruktur für die Bewohner wird durch das obligatorische Therapieprogramm vorgegeben. Die langfristige inhaltliche Struktur ergibt sich für den Einzelnen aus dessen Therapieplan und -zielen.

Rückfall

Aufgrund der Chronifizierung der Abhängigkeitserkrankung wird es immer wieder zu Rückfälligkeit in alte Konsum- und Verhaltensmuster kommen. Ist ein Bewohner rückfällig, findet eine Verlegung auf die Krankenstation im Hause oder in das Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen statt. Sofern der Rückfällige bereit ist, an seinen Therapiezielen weiter und seinen Rückfall aufzuarbeiten, kann er in der Regel seine Therapie fortsetzen.

Vernetzung

Zur Qualität der Arbeit im STZ Haus Wartenberg gehört auch die Vernetzung mit den externen Kooperationspartner dazu, durch die die stationäre Soziotherapie für den Einzelnen Bewohner in ein Vorher und Nachher eingebettet wird.
Die Verzahnung mit anderen stationären und ambulanten Einrichtungen v.a. der Suchtkrankenhilfe (v.a. Bezirkskliniken, Beratungsstellen, Wohngemeinschaften, andere stationäre Einrichtungen) und die Mitarbeit im zuständigen AK Sucht und der PSAG sind nicht nur für die ganzheitliche Versorgung der Bewohner wichtig, sondern auch für die Fortentwicklung der konzeptionellen Qualität der Arbeit.

Qualität

Bedeutet, die Anforderungen der Kooperationspartner zu erfüllen.
Diese sind:

  • Bewohner, mit ihren Angehörigen
  • Ggf. deren BetreuerInnen
  • Kostenträger
  • Zuweiser

Unser Selbstverständnis von - und damit die Anforderungen von uns an - Soziotherapie, die auch durch die Konzeption zum Ausdruck gebracht wird, kommen hinzu. Dies verlangt Struktur und Kommunikation und nicht zuletzt Sinngebung. Die Struktur bestimmt die Funktion, die Aufgaben und die Kompetenzen, die Rollen der Einzelnen und der Bereiche innerhalb des Haus Wartenberg. Die Kommunikation bestimmt das Miteinander der einzelnen Mitarbeiter, der Bereiche und das Miteinander zu externen Partnern. Das Funktionieren und Zusammenwirken von Struktur und Kommunikation wird durch Organisation, durch Führung oder durch (Qualitäts-) Management- geregelt.

Management

Die Soziotherapie und mit ihr die zahlreichen, festgelegten, Arbeitsschritte werden festgelegt durch das Übergreifende Ziel der gesellschaftlichen Wiedereingliederung. Die vielfältigen Arbeitsschritte greifen ineinander, sind miteinander verwoben. Dies erfordert Absprache von Teams und von Einzelnen, Übernahme und Klärung von Verantwortung und damit verbunden das Wissen um Grenzen der eigenen Rolle und der Rolle des Anderen.
Dies Ganze  erfordert Energie, die sich aus dem Sinn speist, die das ganze `System` Haus Wartenberg und der Einzelne dieser Aufgabe "nämlich der Erbringung der Dienstleistung Soziotherapie" gibt.
Im STZ Wartenberg fährt das Qualitätsmanagement-System (QM) nach DIN EN ISO 9001:200x ein.
Durch das QM-System, werden strukturelle Voraussetzungen geschaffen für eine kontinuierliche Überprüfung oder Verbesserung der Qualität der Arbeit.